Versammlung Dunkle Seiten der Gen-Manipulation voller Erfolg
Maar, 23. Feb. 07. Die Versammlung von Zivilcourage Vogelsberg in Lauterbach-Maar gestern Abend war laut einhelliger Meinung der Besucher ein voller Erfolg. Der Storndorfer Landwirt und Initiator der Organisation Dr. Peter Hamel begrüßte neben vielen betroffenen Verbrauchern, Bauern und Mittelständlern aus der Region auch Gruppen aus den Nachbarkreisen Fulda/Rhön, Wabern-Niedermöllrich, Ebsdorfergrund/Marburg und aus der Wetterau rund 200 Zuhörer. Besonders begrüßte er die weiteren Referenten Ursula Bernbeck (Billertshausen), Martin Werner Romrod, den amerikanischen Hauptreferenten F.William Engdahl und den Überraschungsgast aus der Schweiz Urs Hans.
Hamel ging in seinen einleitenden Ausführungen besonders auf die gezielten Irreführungen und bewussten Fehlinformationen seitens der Agrochemiekonzerne ein, die mit gespaltener Zunge den Bauern ganz etwas anderes und total gegensätzliches versprechen als ihren Aktionären. Bauern geht den Gentechnik-Verführern nicht auf den Leim, so Hamels Aufforderung. Er zeigte auf, dass die Versprechungen der Großkonzerne nach zwei bis drei Jahren ins Gegenteil umschlagen, und die wirtschaftliche Situation der Bauern schlechter ist als zuvor, wie Studien aus Nord- und Lateinamerika zeigen, nur dann gibt es kein zurück mehr wegen der Lizenz-Verträge. Dort ist der Pflanzenschutzmittelaufwand um rund 60% gestiegen, Kosten für Saatgut, Lizenzgebühren und neue teure Pflanzenschutzmittel sind deutlich höher, resistente Unkräuter und sogar resistente Schädlinge nehmen zu.
In einem zweiten Punkt prangerte Hamel die ausufernde Falschdeklaration von Futtermitteln hinsichtlich Genmanipulierter Bestandteile an. Nach Hochrechnungen von Futtermittelfachleuten werden bis zu 50% der Futtermittel in der Regel bewusst falsch deklariert. Hinsichtlich der Rückverfolgbarkeit und des Verbraucherschutzes ist das ein klarer Verstoß gegen EU-Recht und damit gegen die Sicherheit unserer Nahrungsmittel.
Die Berechnungen zeigen weiter, dass die tatsächlichen Gehalte an genmanipulierten Bestandteilen im Schweinefutter rund 7% und beim Rinderfutter rund 2,5% betragen. Da bereits im Geflügelfleisch Bruchstücke von genmanipuliertem Futter gefunden wurden hat die Geflügelbranche bereits zu 70% auf GMO-freie Fütterung umgestellt.
Hamel unterstrich: „Tun wir nichts verlieren wir sehr bald Marktanteile, Erlöse und vor allem Vertrauen“ und rief alle anwesenden Bauern unter großem Beifall auf: „Werdet auch in der Fütterung gentechnikfrei“!
Anschließend stellte Frau Ursula Bernbeck fest, dass die groß angepriesene gentechnisch produzierte „Antimatsch-Tomate“ von den Verbrauchern strikt abgelehnt wurde und mittlerweile wieder vom Markt verschwunden ist. Die Antimatsch-Tomate beendete ihre Karriere in Form von Tomaten-Ketchup.
Es folgte ein kurzer mit einem Filmausschnitt bekräftigter Beitrag von Martin Werner. Er stellte heraus, dass Verbraucher zu rund 80% gentechnisch manipulierte Lebensmittel ablehnen. An einem Beispiel aus Bayern machte er deutlich, dass dort marktorientierte Landwirte unter Leitung ihres Kreisbauernverbansvorsitzenden konsequent auf Gentechnik im Anbau von Feldfrüchten und in der Fütterung verzichten. Durch Bildung von Einkaufsgemeinschaften füttern die Bauern ihre Tiere gentechnikfrei zu fast gleichen Preisen wie andere Bauern die gentechnisch manipulierte Futtermittel einsetzen.
F.W. Engdahl beleuchtete in seinen Ausführungen die dunklen Seiten der Genmanipulation anhand von vier Beispielen.
1. Dem Irak:
Hier hat der US-amerikanische Verwalter Paul Bremer die Verordnung 81 konsequent umgesetzt mit der Folge, dass die seit rund 10.000 Jahren weiter gezüchteten Weizensorte aus der Wiege allen Weizens im heutigen Irak von den Amerikanern beseitigt wurden.
Stattdessen bekamen die Bauern im Irak aus den USA insgesamt 6 genmanipulierte Weizensorten als alleiniges Weizensaatgut. Aber nur 3 Sorten sind Brotweizen, die anderen 3 sind Hartweizen (Nudelweizen) und das obwohl die Iraker keine Nudelesser sind. Hier soll in einem gefügig gemachten Land komplett GMO angebaut und exportiert werden. Andere wichtige Nahrungsmittel sollen unter großer Abhängigkeit vom Irak importiert werden. Freier Handel zu den Bedingungen der großen Agrarkonzerne stehen über Gesundheits- und Sicherheitsbedenken der Menschen, so Engdahl.
2. Argentinien:
Anfang der 70er Jahre galt Argentinien als die Schweiz Südamerikas. Argentinien hatte den höchsten Lebensstandard dort. Durch die Versprechen der Agrarkonzerne haben einige Landwirte mit dem Anbau von Soja in Argentinien begonnen. Von amerikanischer Seite wurde GMO-Soja-Saatgut Ende der 80er an die Landbevölkerung dort quasi verschenkt.
Bauern bauten dieses Saatgut nach. Nach drei Jahren begann Monsanto Lizenzgebühren zu verlangen. Kleinbauern konnten nicht zahlen und mussten Ihre Ländereien billig verkaufen, um ihre Schulden zu bezahlen. Großkonzerne kauften Ländereien auf, vertrieben weitere Kleinbauern und forcierten den Monokulturanbau von GMO-Soja in Argentinien. Heute hat Argentinien eine Armutsrate von rund 50 %. Und auf über 45% der Ackerfläche wird GMO-Soja in Monokultur angebaut. Spritzmittel vergiften Menschen, Tiere und Natur. Statt der von der Industrie anfangs versprochen Einsparung von Spritzmitteln ist nichts geblieben. Wurden ursprünglich 2l Round up pro ha Soja empfohlen, so sagen die Berater heute ihr müsst 10, 12 oder gar 15l pro Hektar einsetzen.
3. Spermazider Mais:
In 2001, so Engdahl, hielt in San Diego eine kleine Firma Namens Epicyte eine Pressekonferenz ab. Sie teilte mit, sie habe die ultimative GMO-Frucht geschaffen. Um das zu erreichen, habe man von Frauen mit einer seltenen Form von Unfruchtbarkeit infolge von Immunreaktionen auf Spermien entsprechende Antikörper genommen. Man habe den entsprechenden Genstrang (mit Unfruchtbarkeitsantikörpern) isoliert und mit gentechnischen Verfahren in Maissamen eingefügt. Man habe den Mais der unfruchtbar macht. Die Lizenz wurde von Dow Chemicals erworben. Engdahl weiter: „Man kann sich vorstellen, welche Wirkung es hätte, wenn man plötzlich feststellen würde, dass Mais, das Grundnahrungsmittel der Mexikaner, spermienabtötende Antikörper der Firma Epicyte enthalten würde“. „Etwas spermienabtötenden Kolbenmais, bitte schön“. „Wie wäre es mit noch einer Schüssel Cornflakes?“.
4. Terminator-Saatgut:
Nach einer intensiven Entwicklungsarbeit ist in 2007 die Terminator-Technologie marktreif für den kommerziellen Einsatz, betont Engdahl. Terminator-Gen heißt, kurz bevor der Samen reif ist, wird ein Giftstoff von der Pflanze abgesetzt, der den neuen Keimling abtötet. Dies Technologie wurde 2004 durch Monsanto von Delta-Pine gekauft.
Mit dem Argument, diese Technologie führt dazu, dass keine Kontamination von anderen Pflanzen entsteht, soll Terminator für die Bevölkerung akzeptabel gemacht werden. Hintergrund jedoch ist, dass das Terminator-Gen sehr stark auskreuzt. Nachbarfelder bekommen Terminatorpollen. Keimlinge der Nachbarfelder werden abgetötet. Damit erledigt sich die Frage der Nachbauregelung von selbst, weil dann kein Nachbau des eigenen Saatgutes möglich ist. Nutznieser dieser Technologie sind weder Bauern noch Verbraucher, einzig und allein die Agrokonzerne und ihre nachgelagerten Verbündeten, so Engdahl abschließend.
Die Zuhörer waren sehr betroffen und nachdenklich. In der Diskussion wurde der Einsatz der grünen Gentechnik auf unseren Feldern durchweg abgelehnt. Auch der Schweizer Urs Hans der maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Schweizer Moratoriums hat betonte: Lasst die Finger von der Gentechnik. Wir kleinen sind Risikonehmer und Verlierer. Bleibt gentechnikfrei!
Abschließend rief Hamel die Zuhörer auf Zivilcourage Vogelsberg zu unterstützen und die gentechnikfreien Regionen weiter voran zu bringen. Spontan kamen weiter rund 100 Unterstützungserklärungen für Zivilcourage Vogelsberg.
Nächste Versammlung unter dem Thema:
Wie halten wir unseren Vogelsberg gentechnikfrei – Auswege aus der Gentechnik-Falle
Mit dem Referenten Josef Feilmeier, Banker und Landhändler aus Hofkirchen /Passau
Am 15.03.07 20.00 Uhr „Zur Schmiede“ in Alsfeld-Eudorf.




